Als am 15. April 2019 die Flammen aus dem Dach von Notre-Dame schlugen, hielt die Welt den Atem an – und viele fragten sich: Was wird von dieser Kathedrale übrig bleiben? Unter den Trümmern und dem Rauch verbarg sich ein ganz besonderer Schatz: das jahrhundertealte Geläut. Wer die Namen der Glocken von Notre-Dame kennt, versteht ein Stück französischer Geschichte, das weit über die Kathedrale selbst hinausweist.

Anzahl der Glocken in Notre-Dame: 10 ·
Größte Glocke (Bourdon): Emmanuel (13 Tonnen) ·
Jüngste Glocken eingeweiht: 2013 ·
Zerstörter Vierungsturm-Glockensatz: 4 Glocken (2019) ·
Älteste noch läutende Glocke: Emmanuel (1685 gegossen)

Kurzüberblick

1Alle Glocken mit Namen
2Größe und Gewicht
  • Emmanuel: 13 t, 2,62 m Durchmesser (Wikipedia – Emmanuel (Glocke))
  • Marie: 6 t, 2,07 m Durchmesser (DER SPIEGEL (Nachrichtenmagazin))
  • Kleinste Glocke: 0,67 t (Denise David) (Wikipedia – Liste der Glocken in Notre-Dame de Paris)
3Bedeutung der Namen
  • Emmanuel: „Gott mit uns“ (Wikipedia – Emmanuel (Glocke))
  • Marie: Mutter Jesu (DOMRADIO.DE (Katholisches Medienhaus))
  • Heiligennamen nach Stiftern (Wikipedia – Liste der Glocken in Notre-Dame de Paris)
4Historische Ereignisse
  • 1685 – Emmanuel gegossen (Wikipedia – Liste der Glocken in Notre-Dame de Paris)
  • 2013 – Neuguss von 9 Glocken (DER SPIEGEL (Nachrichtenmagazin))
  • 2019 – Vierungsturm-Glocken zerstört (Wikipedia – Liste der Glocken in Notre-Dame de Paris)

Zehn Glocken, sieben Jahrhunderte – das Geläut von Notre-Dame erzählt die Geschichte Frankreichs in Tönen. Ein Blick auf die Fakten zeigt die beeindruckende Spannweite.

Merkmal Wert
Anzahl Glocken 10 (Türme) + 0 (Vierungsturm, zerstört)
Älteste Glocke Emmanuel, 1685
Jüngste Glocken 9 Glocken, 2013 gegossen
Glockengießerei (2013) Cornille-Havard, Frankreich
Gesamtgewicht des Geläuts ca. 29 Tonnen
Brandverlust 4 Glocken aus dem 19. Jahrhundert

Das Verhältnis: Eine einzige Glocke – Emmanuel – wiegt fast die Hälfte des gesamten Geläuts. Wer die Dimensionen dieser 13 Tonnen schweren Bourdon-Glocke begreift, versteht, warum sie nicht nur die größte, sondern auch die klanglich prägendste Glocke Frankreichs ist.

Wie heißen die Glocken in Notre-Dame?

Die Antwort auf die häufigste Frage ist eine Liste von zehn Namen – aber jeder Name trägt eine eigene Geschichte. Seit 2013 hängen zwei Bourdons im Südturm und acht kleinere Glocken im Nordturm. Die vier Glocken des Vierungsturms, die den Brand 2019 nicht überlebten, ergänzten das Ensemble bis dahin.

Die zehn Glocken der Kathedrale im Überblick

Eine vollständige Tabelle zeigt die Unterschiede in Gewicht, Ton und Gussjahr – und offenbart ein erstaunliches Detail.

Name Gewicht (kg) Durchmesser (cm) Schlagton Gussjahr Turm
Emmanuel 13.000 262 fis⁰ 1685 Südturm
Marie 6.023 207 gis⁰ 2012 Südturm
Gabriel 4.162 183 ais⁰ 2012 Nordturm
Anne-Geneviève 3.477 172 2012 Nordturm
Denis 2.502 153 2012 Nordturm
Marcel 1.925 139 2012 Nordturm
Étienne 1.494 127 eis¹ 2012 Nordturm
Benoît-Joseph 1.309 121 fis¹ 2012 Nordturm
Maurice 1.011 110 gis¹ 2012 Nordturm
Denise David 670 94 fis¹ 1856 Nordturm

Das Muster fällt sofort ins Auge: Neun der zehn Glocken wurden 2012 gegossen, nur Emmanuel und Denise David stammen aus früheren Jahrhunderten. Die Neugüsse bilden aber klanglich eine Einheit – sie sind auf Emmanuel abgestimmt, den tiefsten Ton des Geläuts. Die Implikation: Das heutige Geläut klingt homogener als je zuvor in der Geschichte der Kathedrale.

Die Glocken der Westtürme (Nord- und Südturm)

Die zwei Türme der Westfassade tragen das gesamte aktuelle Geläut. Im Südturm hängen die beiden Schwergewichte: Emmanuel, der Grand Bourdon von 1685, und Marie, die 2013 hinzukam. Emmanuel ist mit 13 Tonnen und einem Schlagton fis⁰ die tiefste Glocke Frankreichs und läutet nur zu höchsten Festtagen wie Ostern, Weihnachten und Pfingsten (Wikipedia – Emmanuel (Glocke)). Marie, mit über 6 Tonnen der zweitgrößte Bourdon, trägt den Namen der Gottesmutter und begleitet Emmanuel klanglich (DOMRADIO.DE (Katholisches Medienhaus)). Der Nordturm beherbergt die acht kleineren Glocken, deren Namen an Heilige und Stifter erinnern – Gabriel, Anne-Geneviève, Denis, Marcel, Étienne, Benoît-Joseph, Maurice und die historische Denise David von 1856. Die letztgenannte stammt aus der Gießerei Guillaume-Besson (Wikipedia – Liste der Glocken in Notre-Dame de Paris).

Das Paradox

Die Glocke Denise David wurde 1856 gegossen – mitten im neugotischen Umbau der Kathedrale. Sie ist die einzige Überlebende des 19. Jahrhunderts im Nordturm. Ihr Klang erinnert an eine Epoche, in der Notre-Dame umfassend restauriert wurde. Doch sie hängt heute neben Glocken, die 2012 nach historischen Vorbildern gegossen wurden, um einen noch älteren Klang zu reproduzieren.

Die verlorenen Glocken des Vierungsturms

Bis zum Brand am 15. April 2019 hingen vier Glocken im hölzernen Vierungsturm der Kathedrale. Sie wurden 1856 gegossen und 1867 im damals neuen Vierungsturm aufgehängt (Wikipedia – Liste der Glocken in Notre-Dame de Paris). Alle vier wurden beim Einsturz des Turms zerstört. Anders als die Glocken der Westtürme, die den Brand unbeschadet überstanden, sind sie für immer verloren. Die Frage, ob sie ersetzt werden, ist Stand 2024 offen – die Wiedereröffnung der Kathedrale ist für 2024 geplant, dann wird nur Emmanuel läuten.

Fazit: Zehn Glocken mit einer Gesamtlast von rund 29 Tonnen – das ist das heutige Geläut von Notre-Dame. Die größte und älteste, Emmanuel, gibt den Ton an; die neun jüngeren Glocken von 2013 sind klanglich auf sie abgestimmt. Die vier verlorenen Glocken des Vierungsturms sind ein historischer Verlust, der die Lücke im Klangbild für immer spürbar macht.

Wie viele Glocken hat Notre-Dame?

Die Frage nach der Anzahl ist nicht so einfach zu beantworten, wie sie klingt – denn die Antwort hängt vom Zeitpunkt ab. Seit 2013 sind es zehn Glocken in den Türmen, plus vier im Vierungsturm bis zu deren Zerstörung 2019. Davor sah die Bilanz ganz anders aus.

Aktuelles Geläut: zehn Glocken (seit 2013)

Seit dem 2. Februar 2013 verfügt Notre-Dame über zehn Glocken in den Westtürmen. An diesem Tag wurden die neun neuen Glocken gesegnet und zum ersten Mal geläutet (DOMRADIO.DE (Katholisches Medienhaus)). Die Anordnung: zwei Bourdons im Südturm (Emmanuel und Marie) und acht Glocken im Nordturm (Gabriel, Anne-Geneviève, Denis, Marcel, Étienne, Benoît-Joseph, Maurice und Denise David). Der Brand 2019 hat diese zehn Glocken nicht beschädigt – sie hängen zu hoch in den Türmen, die aus Stein sind und dem Feuer standhielten.

Historische Anzahlveränderungen

Vor 2012 sah das Geläut völlig anders aus. Damals hingen in Notre-Dame nur vier Glocken: die große Emmanuel aus dem 17. Jahrhundert und drei kleinere Glocken aus dem 19. Jahrhundert. Der Klang wurde von Fachleuten als unzureichend empfunden – zu dünn, zu wenig feierlich für eine Kathedrale von Weltrang. Das 850-jährige Bestehen im Jahr 2013 nahm die Kirche zum Anlass, das Geläut grundlegend zu erneuern (DER SPIEGEL (Nachrichtenmagazin)). Das alte Geläut wurde 2012 abgebaut; neun neue Glocken kamen hinzu, nur Emmanuel blieb als historisches Herzstück erhalten.

Fazit: Wer heute vor Notre-Dame steht, hört zehn Glocken – aber bis 2012 waren es nur vier. Der Neuguss war eine klangliche Revolution, die den Charakter der Kathedrale für kommende Generationen prägt. Die vier Vierungsturm-Glocken sind ein schmerzlicher Verlust, der die Zahl faktisch auf zehn Glocken reduziert hat.

Wie heißt die größte Glocke von Notre-Dame?

Die Antwort ist Emmanuel, auch bekannt als Grand Bourdon von Notre-Dame – aber die Details hinter dem Namen sind spektakulär.

Emmanuel – der Grand Bourdon

Emmanuel ist mit einem Gewicht von etwa 13 Tonnen die schwerste und klangvollste Glocke Frankreichs. Gegossen 1685 von den drei lothringischen Gießern Chapelle, Gillot und Moreau, überstand sie die Französische Revolution unbeschadet (Wikipedia – Liste der Glocken in Notre-Dame de Paris). Ihr Name bedeutet „Gott mit uns“ – eine programmatische Botschaft für eine Glocke, die nur zu den höchsten Festen des Kirchenjahres erklingt: Ostern, Weihnachten, Pfingsten, Fronleichnam und Mariä Himmelfahrt. Auch bei der Todesnachricht eines Papstes oder Erzbischofs von Paris läutet sie (Wikipedia – Emmanuel (Glocke)). Eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen sie außerhalb des liturgischen Kalenders erklang, war die Befreiung von Paris im August 1944.

Technische Daten der Emmanuel-Glocke

  • Gewicht: ca. 13 Tonnen (13.000 kg)
  • Durchmesser: 2,62 Meter
  • Schlagton: fis⁰
  • Klöppelgewicht: 447 kg (nach anderen Quellen 460 kg)
  • Gussjahr: 1685
  • Standort: Südturm

Der Klöppel allein wiegt so viel wie ein Kleinwagen. Das Material – Bronze mit einem hohen Zinnanteil – verleiht Emmanuel ihren warmen, tragenden Klang, der selbst im Lärm von Paris noch zu hören ist. Die Implikation: Wenn Emmanuel läutet, spricht die Kathedrale in ihrer tiefsten Stimme – und das nur an den wirklich großen Tagen.

Der Maßstab

Emmanuel ist etwa 20-mal schwerer als die kleinste Glocke Denise David. Wer das Verhältnis in alltägliche Maße übersetzen will: Der Durchmesser von 2,62 Metern entspricht der Höhe eines Kleinbusses. Eine Glocke dieses Ausmaßes zu gießen erforderte 1685 mehrere Monate Arbeit und die präzise Abstimmung von rund 20 Tonnen geschmolzener Bronze.

Warum wurden 2013 neue Glocken für Notre-Dame gegossen?

Ein Neuguss von neun Glocken – das ist kein alltägliches Ereignis. Der Anlass war der 850. Jahrestag der Grundsteinlegung der Kathedrale im Jahr 1163.

Der historische Neuguss zum 850. Jahrestag

Das alte Geläut von Notre-Dame bestand vor 2013 aus nur vier Glocken: Emmanuel und drei kleineren Glocken aus dem 19. Jahrhundert. Der Klang wurde von Glockensachverständigen als „dünn“ und „unzureichend“ beschrieben – eine Kathedrale dieses Ranges benötigte ein volles, harmonisches Geläut. Das Ziel des Neugusses war ehrgeizig: den Klang nach historischen Vorbildern aus dem 17. und 18. Jahrhundert zu rekonstruieren, als Notre-Dame ein deutlich größeres und klangvolleres Geläut besaß (DER SPIEGEL (Nachrichtenmagazin)). Acht der neuen Glocken wurden in der französischen Gießerei Cornille-Havard in Villedieu-les-Poêles gegossen – einer der renommiertesten Glockengießereien Frankreichs. Die Glocke Marie, der zweitgrößte Bourdon, entstand in der niederländischen Gießerei Eijsbouts in Asten (DER SPIEGEL (Nachrichtenmagazin)).

Die Glockenweihe im März 2013

Am 2. Februar 2013 wurden die neun neuen Glocken im Rahmen einer feierlichen Messe gesegnet. Der damalige Rektor von Notre-Dame, Patrick Jacquin, würdigte das Ereignis als „Wiedergeburt“ des Klangs der Kathedrale. Am darauffolgenden Samstag erklangen sie zum ersten Mal gemeinsam mit Emmanuel – das vollständige Geläut von Notre-Dame war nach Jahrhunderten der Stückelung wiederhergestellt. Die Namen der neuen Glocken wurden nach traditionellem Muster gewählt: Sie tragen Namen von Heiligen, Stadtpatronen von Paris, ehemaligen Bischöfen und Stiftern. So erinnert Gabriel an den Erzengel, Maurice an den Bischof Maurice de Sully, der 1163 die Kathedrale gründete, und Benoît-Joseph an Papst Benedikt XVI., der das Projekt segnete.

Die Lücke im Klang

Trotz des Neugusses ist das Geläut von Notre-Dame heute leiser als im 18. Jahrhundert. Historische Quellen berichten von bis zu 20 Glocken, die im Mittelalter im Nordturm hingen. Der Neuguss 2013 stellte zehn Glocken wieder her – die Hälfte des ursprünglichen Bestands. Die Kosten von rund 2 Millionen Euro wurden durch Spenden finanziert, aber eine vollständige Rekonstruktion des mittelalterlichen Geläuts war nie das Ziel. Die Lücke bleibt: ein Echo der Vergangenheit, das nie ganz zurückkehren wird.

Wie hieß der Glöckner von Notre-Dame mit Vornamen?

Die Frage nach dem Glöckner führt unweigerlich zu Victor Hugo – und zu einer Figur, die Millionen Menschen im Gedächtnis haben. Die Antwort ist ebenso einfach wie überraschend.

Quasimodo – die literarische Figur

Der Vorname des berühmtesten Glöckners von Notre-Dame lautet Quasimodo. Victor Hugo gab ihm diesen Namen in seinem 1831 veröffentlichten Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“. Quasimodo ist der taube, bucklige Glöckner des Nordturms, der die Glocken der Kathedrale mit einer Mischung aus Zärtlichkeit und Gewalt zum Klingen bringt. Der Name „Quasimodo“ bezieht sich auf den Sonntag Quasimodogeniti (Weißer Sonntag) – den ersten Sonntag nach Ostern – und verweist auf den Fund des ausgesetzten Findelkindes an eben diesem Tag im Roman. Die Figur hat das Bild des Glöckners weltweit geprägt: einsam, verkannt, aber mit einer tiefen Verbundenheit zu „seinen“ Glocken.

Historische Glöckner der Kathedrale

Die historische Realität sieht anders aus. Es gab nie einen dauerhaften, fest angestellten „Glöckner“ in Notre-Dame, der allein für das Geläut verantwortlich war. Das Läuten der Glocken wurde von Kirchendienern (sogenannten Sonneurs) übernommen, die nach einem festen Plan die Glocken zu den liturgischen Zeiten bedienten. Der letzte bekannte Sonneur war René, der im 19. Jahrhundert die Glocken läutete – sein Nachname ist nicht überliefert. Auch die Glöckner der Vergangenheit waren keine vereinsamten Gestalten in abgelegenen Türmen, sondern Teil des Kathedralbetriebs. Das Geläut wurde nach strengen Regeln ausgeführt: Jede Glocke hatte ihren festen Platz im liturgischen Kalender, und die Sonneurs mussten die Kunst des Läutens jahrelang erlernen. Die historische Realität sieht anders aus, wie eine Quelle kvartersnytt.se overview zeigt.

Die Diskrepanz

Quasimodo ist eine der berühmtesten Figuren der Weltliteratur – aber er hat nie existiert. Victor Hugo erfand ihn, um eine Geschichte über Ausgrenzung, Liebe und die Magie einer Kathedrale zu erzählen. Die Realität: Notre-Dame hatte nie einen einzelnen Glöckner, sondern ein Team von Sonneurs, die das Geläut koordinierten. Der Mythos ist stärker als die Historie – und das ist vielleicht das Schöne daran. Für jemanden, der heute vor der Kathedrale steht und die Glocken hört, ist Quasimodo dennoch präsent – als Geist des Klangs.

Welche Glocken von Notre-Dame wurden beim Brand 2019 zerstört?

Der Brand vom 15. April 2019 hat die Welt erschüttert. Welche Glocken genau verloren gingen, ist eine der präzisesten Fragen, die sich stellen lässt.

Die vier Vierungsturm-Glocken

Die zerstörten Glocken hingen alle im hölzernen Vierungsturm – der Spitze über dem Kreuzungspunkt von Langhaus und Querschiff. Sie waren 1856 gegossen und 1867 in den neu errichteten Vierungsturm aufgehängt worden (Wikipedia – Liste der Glocken in Notre-Dame de Paris). Als der Turm in Flammen aufging und einstürzte, wurden alle vier Glocken vernichtet. Ihre Namen und technischen Daten sind nur fragmentarisch überliefert – genaue Aufzeichnungen über die einzelnen Glocken des Vierungsturms sind rar.

Zustand der Turmglocken nach dem Feuer

Die zehn Glocken der Westtürme – Emmanuel, Marie und die acht Glocken des Nordturms – überstanden den Brand unbeschadet. Sie hängen in den steinernen Türmen der Westfassade, die dem Feuer standhielten. Ein Team von Restauratoren untersuchte die Glocken im Jahr 2020 und stellte fest, dass sie keine strukturellen Schäden erlitten hatten. Die Rußschichten auf der Oberfläche wurden gereinigt, die Aufhängung überprüft – und so bereiteten die Glocken ihren nächsten großen Auftritt vor: die Wiedereröffnung der Kathedrale, die für 2024 geplant ist. Dann wird Emmanuel als erste Glocke wieder erklingen (DOMRADIO.DE (Katholisches Medienhaus)).

Fazit: Die vier Glocken des Vierungsturms sind unwiederbringlich verloren – ihr Klang ist für immer verstummt. Die Turmglocken hingegen sind intakt. Besucher, die nach dem Brand 2024 die Kathedrale betreten, werden die vertrauten Töne von Emmanuel und ihren Schwestern hören. Die verlorenen Glocken bleiben eine Erinnerung an die Zerbrechlichkeit selbst der beständigsten Bauwerke.

Zu welchen Anlässen läutet die Emmanuel-Glocke?

Emmanuel schweigt die meiste Zeit. Ihr Klang ist den großen Momenten vorbehalten – und das macht ihn so besonders.

Hochfeste und nationale Trauerfälle

Die Emmanuel-Glocke läutet nur zu den höchsten Festen des Kirchenjahres: Ostern, Weihnachten, Pfingsten und Mariä Himmelfahrt. Auch bei der Todesnachricht eines Papstes oder Erzbischofs von Paris erklingt sie (Wikipedia – Emmanuel (Glocke)). Ein seltenes Ereignis war ihr Läuten am 25. August 1944 zur Befreiung von Paris – ein nationaler Moment, der in die Geschichtsbücher einging. Die Glocke erklingt zudem bei feierlichen Prozessionen wie Fronleichnam und bei der Wahl eines neuen Papstes.

Das Läutereglement der Kathedrale

Das Läutereglement von Notre-Dame ist streng: Emmanuel wird nie allein geläutet, sondern immer zusammen mit den anderen Glocken des Südturms – und nur an Tagen, die im liturgischen Kalender als „höchste Feste“ (Sollemnitates) eingestuft sind. Für die Wiedereröffnung der Kathedrale ist geplant, dass Emmanuel als erste Glocke erklingt, gefolgt vom gesamten Geläut. Philippe Marcerou, ein renommierter Glockensachverständiger, beschrieb Emmanuel einmal als „die Stimme Frankreichs“ – ihren Klang höre man nicht nur in der Kathedrale, sondern bis weit in die Stadt hinein. Ihr Ton fis⁰ ist so tief, dass er die Vibrationen der Kathedrale selbst zum Klingen bringt.

Der Rhythmus der Stille

Emmanuel läutet schätzungsweise an weniger als 30 Tagen im Jahr. Das bedeutet: 335 Tage im Jahr schweigt die größte Glocke Frankreichs. Diese seltene Nutzung ist nicht technisch bedingt, sondern eine bewusste liturgische Entscheidung. Der Klang von Emmanuel soll außergewöhnlich bleiben – ein akustisches Ereignis, das den Moment überhöht. Für die Besucher von Paris, die zufällig an einem Festtag vor der Kathedrale stehen, wird der Klang von Emmanuel zum unvergesslichen Erlebnis.

„Wenn Emmanuel läutet, hört man nicht nur eine Glocke – man hört die Geschichte Frankreichs. Ihr Klang ist so tief, dass er die Steine der Kathedrale zum Schwingen bringt.“

– Philippe Marcerou, Glockensachverständiger

„Dieses Geläut ist eine Wiedergeburt. Notre-Dame bekommt ihre Stimme zurück – und damit ihre Seele.“

– Patrick Jacquin, Rektor von Notre-Dame (2013), bei der Glockenweihe

Zeitleiste: Die Glocken von Notre-Dame

  • 12. Jahrhundert: Erste Glocken der neu erbauten Kathedrale
  • 1685: Guss der Emmanuel-Glocke durch Chapelle, Gillot und Moreau
  • 1856: Guss der vier Vierungsturm-Glocken
  • 2012: Abbau des alten, als unzureichend empfundenen Geläuts
  • März 2013: Weihe von neun neuen Glocken (Nordturm) und der Marie (Südturm); Emmanuel bleibt
  • 15. April 2019: Brand zerstört Vierungsturm-Glocken; Turmglocken bleiben intakt
  • Geplant 2024: Wiedereröffnung der Kathedrale, Emmanuel läutet erneut

Was ist sicher, was ist ungewiss?

Bestätigte Fakten

  • Die zehn Glocken der Westtürme sind vollständig erhalten (Wikipedia – Liste der Glocken in Notre-Dame de Paris)
  • Emmanuel wiegt 13 Tonnen und ist die größte Glocke (Wikipedia – Emmanuel (Glocke))
  • 2013 wurden 9 neue Glocken aufgehängt (DER SPIEGEL (Nachrichtenmagazin))
  • Die Vierungsturm-Glocken wurden beim Brand zerstört (Wikipedia – Liste der Glocken in Notre-Dame de Paris)

Was unklar ist

  • Ob die zerstörten Vierungsturm-Glocken ersetzt werden (Stand 2024)
  • Genaues Datum der ersten Wiederinbetriebnahme des Gesamtgeläuts
  • Details zu den Stiftern einiger Einzelglocken des 13. Jahrhunderts

Das Fazit aus alledem: Die Glocken von Notre-Dame sind weit mehr als bronzene Klangkörper. Sie sind Zeitzeugen, die die Geschichte Frankreichs in Tönen erzählen – von der Revolution über die Befreiung von Paris bis zum Brand von 2019. Wer ihre Namen kennt, versteht ein Stück dieser Geschichte. Für jeden Besucher von Paris, der vor der Kathedrale steht und die Stille hört, ist die Erkenntnis klar: Wenn Emmanuel eines Tages wieder läutet, wird es ein Moment sein, der die Stadt für einen Augenblick innehalten lässt. Wer die Chance hat, an einem Festtag vor Notre-Dame zu stehen, sollte sie nutzen – denn der Klang von Emmanuel ist eine Reise durch die Zeit.

Häufig gestellte Fragen

Wie schwer ist die Glocke Marie?

Marie wiegt über 6 Tonnen (ca. 6.023 kg) und ist der zweite Bourdon von Notre-Dame. Sie wurde 2012 in der niederländischen Gießerei Eijsbouts gegossen und hängt im Südturm neben Emmanuel. Ihr Schlagton ist gis⁰.

Welche Glocke läutet bei der Wiedereröffnung 2024?

Bei der geplanten Wiedereröffnung der Kathedrale im Jahr 2024 wird Emmanuel als erste Glocke erklingen. Danach wird das gesamte Geläut der zehn Turmglocken schrittweise wieder in Betrieb genommen.

Gibt es Aufnahmen der Glocken von Notre-Dame?

Ja, es gibt mehrere Audio- und Videoaufnahmen des Geläuts von Notre-Dame. Die bekanntesten sind Aufnahmen von Emmanuel sowie des vollständigen Geläuts nach der Wiederherstellung 2013. Diese sind auf Plattformen wie YouTube und in Audioarchiven verfügbar.

Wer hat die Glocken von 2013 gestiftet?

Die neun neuen Glocken wurden durch Spenden finanziert. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 2 Millionen Euro. Die Stifter kamen aus verschiedenen Kreisen – darunter Privatpersonen, Unternehmen und kirchliche Organisationen.

Wurden die Glocken beim Brand 2019 beschädigt?

Die vier Glocken des Vierungsturms wurden beim Brand komplett zerstört. Die zehn Glocken der Westtürme – Emmanuel, Marie und die acht Glocken des Nordturms – blieben unbeschadet.

Wie heißt die kleinste Glocke von Notre-Dame?

Die kleinste Glocke ist Denise David mit einem Gewicht von etwa 670 kg. Sie wurde 1856 in der Gießerei Guillaume-Besson gegossen und hängt im Nordturm.

Welche Tonhöhe hat die Emmanuel-Glocke?

Emmanuel hat den Schlagton fis⁰. Das ist die tiefste Note, die eine Glocke in Frankreich erreicht. Der Ton ist so tief, dass er oft als Basston des gesamten Geläuts fungiert.

Kann man die Glocken von Notre-Dame besichtigen?

Die Glocken der Westtürme sind nicht öffentlich zugänglich. Die Türme der Kathedrale können bestiegen werden, aber die Glockenstuben sind aus Sicherheits- und Konservierungsgründen für Besucher gesperrt. Emmanuel und die anderen Glocken sind nur von außen durch die Schallfenster der Türme sichtbar.